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Hells Angels Reutlingen Clubhaus soll abgerissen werden

REUTLINGEN. Die Albstraße zählt in ihrem Abschnitt zwischen See- und Betzenriedstraße nicht zu den Schokoladenseiten dieser Stadt – was auch mit dem Clubheim der Reutlinger Hells Angels und dessen Ausstrahlung zu tun hatte. Mittlerweile sind die Rocker ausgezogen, und ein Investor beabsichtigt, im Innenbereich des Quartiers zwischen Alb-, Holz- und St.-Leonhard-Straße diverse zwei- bis dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt voraussichtlich 35 Wohneinheiten zu bauen.

Einmütig hat Reutlingens Gemeinderat am Donnerstag beschlossen, für ein 7 150 Quadratmeter großes Areal in besagtem Quartier den Bebauungsplan »Albstraße – Neue Wendlerei« aufzustellen. Er umfasst im Wesentlichen die Gebäude Albstraße 35 (»Atlantik«) und 37 (vormals Hells Angels) sowie Holzstraße 10/2 und 10/3; einige angrenzende Häuser wurden nach Angaben vom Stefan Dvorak, dem Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Vermessung, einbezogen, um unter anderem die Erschließung der neuen Wohnanlage sicherzustellen. Derzeit sei der Innenbereich des Quartiers nur über private Zufahrtsstraßen zu erreichen, so Dvorak.

Große Chance

Die Albstraße werde durch die Neubebauung aufgewertet, versicherte der Amtsleiter dem Gremium. Die zur Disposition stehenden Gebäude seien weitgehend leer und »zum Teil in einem desolaten baulichen Zustand«. Die Entwicklung des Quartiers durch das Unternehmen »Exklusiv Wohnbau« und somit »aus einem Guss« eröffne eine große Chance, das Gebiet insgesamt zu stabilisieren. Ein zentraler, begrünter Platz mit Spielmöglichkeiten solle »identitätsstiftend« wirken.

Der Abriss der Gebäude Albstaße 35 und 37 ermögliche eine Verbreiterung des bestehenden Zugangs zum Innenbereich – hier sei »eine Torsituation als Auftakt in das Gebiet« vorgesehen. Sofern die Flächen in Privateigentum blieben, so Dvorak, werde die »öffentliche Zugänglichkeit« samt Geh-, Fahr-, und Leitungsrechten vertraglich entsprechend gesichert.

Ähnlich wie im Seidenviertel ist vorgesehen, den »ruhenden Verkehr« in Tiefgaragen unterzubringen. Der Investor habe auch Bereitschaft signalisiert, mehr als die 35 geplanten Stellplätze zu bauen, falls Anlieger weiteres Interesse bekunden würden. Und bereit seien, so Dvorak, dafür dann eben auch entsprechend zu bezahlen.

»Wir brauchen jede Wohnung in Reutlingen«, freute sich Susanne Müller von den Grünen und Unabhängigen über das Neubauvorhaben. Sie bat die Verwaltung aber auch, mit dem Investor noch einmal zu verhandeln, ob er nicht auch »eine oder zwei Sozialwohnungen an dieser Stelle« anbieten wolle. Von einer »Entwicklung mit Augenmaß« sprach SPD-Rat Ramazan Selcuk, Rainer Löffler von der CDU nannte das Bebauungsplanvorhaben »in vielerlei Hinsicht sehr erfreulich«.

http://www.gea.de/region+reutlingen/reutlingen/aufwertung++aus+einem+guss.3899199.htm

Reutlingen keine Rotlicht-Hochburg

REUTLINGEN. »Im Erospark und in der Erosarena in Sindelfingen und Reutlingen erwarten Sie derzeit über 90 attraktive und internationale Modelle – neben scharfen Schwabenladies finden Sie im Erospark Girls verschiedenster Nationalitäten.« Damit wirbt eines der beiden Reutlinger »Laufhäuser« um Kundschaft im Internet und spricht dabei sogar von einer »Philosophie«.

Laut Kriminaloberrat Dietmar Langrock ist es heute völlig normal, dass sich Kunden erst im Internet informieren und dann in die Häuser gehen. Zudem weist er als auch für Reutlingen zuständiger Polizeibeamter in Esslingen darauf hin, dass diese »gewerbliche Zimmervermietung« einer von insgesamt fünf »bordellähnlichen Betrieben« in der Achalmstadt sei. Neben diesem Haus direkt an der B 28 nach Tübingen gibt es ein weiteres »Laufhaus« gegenüber vom Jobcenter, direkt daneben das »Haus 33-A« sowie insgesamt fünf angemietete Termin- und Modelwohnungen, in denen ebenfalls der Prostitution nachgegangen wird.

Die Polizei weiß all das so genau, weil sie laut Langrock »sehr aufmerksam Anzeigen in Zeitungen liest und auch Internetrecherche betreibt«, sagt der Kriminaloberrat im Gespräch. »Wie kommen die Frauen an Kundschaft – natürlich, sie müssen Werbung machen und das verfolgen wir sehr aufmerksam«, betont Dietmar Langrock.

Hinzu kommen immer wieder unangekündigte, »anlasslose Kontrollen« der Häuser und auch der Prostituierten durch die Polizei. Dadurch wissen die Beamten recht genau, wie viele »Sexarbeiterinnen« in Reutlingen tätig sind. »Wir gehen von einer Zahl von 70 bis 80 Frauen aus, die täglich dort der Prostitution nachgehen.«

Diese Zahlen seien sehr fundiert – und entsprechen überhaupt nicht denen, die im »Focus« im November 2013 veröffentlicht wurden: Dort wurden 220 aktive Prostituierte in Reutlingen angeführt – und damit befinde sich die Achalmstadt im Bereich der »Rotlicht-Hochburgen Deutschlands«, titelte die Wochenzeitschrift. »Ich weiß nicht, wo die die Zahlen herhaben – bei uns haben sie nicht nachgefragt«, sagt Langrock. Auch ansonsten sei Reutlingen kein besonders heißes Pflaster, was Prostitution angehe.

Nach der Umstrukturierung der Polizei ist das Polizeipräsidium Reutlingen für drei Landkreise (Reutlingen, Tübingen und Esslingen) zuständig – die Abteilung organisierte Kriminalität und »Sonderfälle« (wie etwa die Prostitution) hat ihren Sitz allerdings in Esslingen. Deshalb auch das Treffen mit Dietmar Langrock in der Neckarstadt.

Auf die Bordellbetreiber in Reutlingen angesprochen, sagt er: »Da kann ich aus polizeitaktischen Ermittlungsgründen weder bestätigen noch verneinen, dass die Hells Angels in Reutlingen maßgelblich das Rotlichtmilieu beherrschen«, so der Kriminaloberrat. Heißt im Klartext: Mitglieder der Rocker-Clique haben ihre Finger drin, stellen zahlreiche »Wirtschafter«, sind aber nicht die alleinigen Herrscher der Szene an der Achalm.

Laut Handelsregister war der Rocker-Chef Ingo Dura offiziell bis 2007 Gesellschafter der Erosarena in der Albstraße. Das Haus gegenüber vom Jobcenter hat im Übrigen fünf Rumäninnen im Angebot, zwei Bulgarinnen, je eine Frau aus Ungarn, »Slovakien« und der Türkei.

Mit der Mehrheit der Frauen aus Rumänien und Bulgarien wird ein Thema verdeutlicht, das in den vergangenen Jahren zu drastischen Änderungen im deutschen Rotlichtmilieu geführt hat: Die Betreiber müssen durch die EU-Erweiterung in Richtung Balkan gar nicht mehr aktiv nach Prostituierten suchen – »es kommen ja mehr als genug Frauen vor allem aus Rumänien und Bulgarien, die hier als Sexarbeiterinnen Geld verdienen wollen«, sagt Langrock. »So schrecklich sich das anhören mag – aber der Markt wird bestimmt von Angebot und Nachfrage.« Im Endeffekt bedeutet das, dass die Preise im Milieu gefallen sind.

Ein Prostitutions-Schwerpunkt sei Reutlingen aber nicht, so Langrock. Es gebe keinen Straßenstrich und auch keine Auswüchse wie etwa den FKK-Saunaclub Paradise in Echterdingen. »Solche Einrichtungen sind nach dem Prostitutionsgesetz von 2002 wie Pilze aus dem Boden geschossen.«

Dort werde Wellness mit käuflichem Sex verknüpft – was allerdings auch seinen Preis habe: Rund 160 Euro für das Zimmer müssten sich Kunde und Prostituierte teilen. Der Preis für den Geschlechtsverkehr werde extra verhandelt. In Reutlingen sei es laut Langrock »Normalität, dass die Polizei in den Häusern vorbeikommt«.

Die Betreiber würden sich kooperativ zeigen, Passkontrollen der Damen seien die Regel – was natürlich auch dem Jugendschutz diene. Und mit gefälschten Pässen arbeiten wäre nicht möglich, betont Langrock. Vor Kurzem erst seien zwei Frauen aus Afrika bei Kontrollen aufgefallen, die keine Arbeitsgenehmigung hatten. Für die Damen bedeutete dies das Aus in dem »Etablissement« – wohingegen Frauen mit europäischem Pass keine solche Genehmigung brauchen.

Und Menschenhandel? Gibt es den in Reutlingen? »Wir hatten in den vergangenen sieben Jahren genau vier Fälle«, betont Dietmar Langrock. Der Polizeibeamte führt ein Beispiel an: 2009 hatte ein Rumäne eine junge Frau unter dem Vorwand nach Deutschland geholt, er gebe ihr eine Stelle als Haushälterin. Dann habe er sie an einen anderen Rumänen in Grafenberg verkauft, der die Frau zur Prostitution zwang.

Natürlich könne Langrock nichts über die Dunkelziffer in diesem Bereich sagen – deshalb heißt der Begriff ja auch so. Aber: »Es gibt in Reutlingen keine Anzeichen für Menschenhandel – sonst müssten wir dem ja nachgehen.«

http://www.gea.de/region+reutlingen/reutlingen/reutlingen+keine+rotlicht+hochburg.3883596.htm

Tattoo Convention Reutlingen

Tausende Besucher bei der neunten internationalen Tattoo Convention in Reutlingen

https://www.facebook.com/tattooconventionreutlingen

Ex Hells Angels Member verurteilt

REUTLINGEN/TÜBINGEN. Vor einer Bar am Rande der Reutlinger Innenstadt ging am 4. Januar 2014 ein 39-Jähriger mit dem Messer auf seinen Kontrahenten los und verletzte ihn durch mehrere Schnitte schwer. War die Tat nun ein versuchter Totschlag, wie es die Staatsanwaltschaft sieht? Oder handelte es sich bei der Attacke »nur« um eine gefährliche Körperverletzung, woran die Verteidigung glaubt?

Dass es in jedem Fall ein »Riesenscheiß« war, was er gemacht hat, hat der 39-Jährige inzwischen eingesehen. Er hat auch bereits versucht, den Schaden, den er angerichtet hat, so weit wie möglich wieder gut zu machen. So hat er an den Angeklagten ein Schmerzensgeld von 7 000 Euro bezahlt. Weitere 5 000 Euro sollen noch folgen.

Allerdings wird es den 39-Jährigen nicht davor bewahren, dass er für seinen sinnlosen Messerangriff ins Gefängnis muss. Möglicherweise für viereinhalb Jahre, wie es Staatsanwalt Nicolaus Wegele gestern forderte, oder für zweieinhalb Jahre, was die Verteidiger Daniel Mahler und Urs Heck für angemessen halten.

Damals bei den Hells Angels

Der Angeklagte scheint ein ziemlicher Hitzkopf zu sein. Er hat in der Vergangenheit schon öfters im Streit zugeschlagen und deshalb Vorstrafen wegen Körperverletzung kassiert. Auch am 4. Januar 2014 hatte er sich nicht im Griff. Auslöser für den Streit war eine Unterhaltung in der Bar zwischen der schwangeren Verlobten des Angeklagten und einem 38-jährigen Mann, der aus Marokko stammt.

Die beiden hatten sich auf Englisch miteinander unterhalten und waren auch auf das Thema Schwangerschaft gekommen. Irgendetwas hat der 38-Jährige dann zu der Frau gesagt, was der Angeklagte, der damals zu den Hells Angels gehörte, offenbar als Anmache seiner Verlobten aufgefasst hat.

Verteidiger Daniel Mahler meint, dass sein Mandant damals »fortwährend alles falsch verstanden hat«. Auch später vor dem Lokal, als die beiden Kontrahenten wieder aneinandergerieten und der 39-jährige Reutlinger schließlich zum Messer griff, »weil der andere nicht zurückwich«. Mahler ist allerdings der Auffassung, dass sein Mandant am Ende aus eigenem Antrieb aufhörte, als »er sah, was er angerichtet hat«. Mahler: »Wenn er gewollt hätte, hätte er sicher noch weitermachen können.« Für den Anwalt war es deshalb »ein Rücktritt vom versuchten Totschlag« und damit »nur« eine gefährliche Körperverletzung.

Einfach weggerannt

Staatsanwalt Wegele ist anderer Meinung. Der 39-Jährige habe bei der Messerattacke billigend in Kauf genommen, dass das Opfer ums Leben komme. Niemand könne in so einer Situation genau kontrollieren, was ein Messer anrichte. Auch sei der Angeklagte nach der Tat einfach weggerannt, »ohne sich um den Verletzten zu kümmern«.

Das Opfer erlitt fünf Messerschnitte. Einer davon durchtrennte eine Sehne an seinem linken Arm. Durch die Verletzungen verlor der 38-Jährige viel Blut. Er hatte noch Glück, dass eine Krankenschwester an diesem Abend ebenfalls in dem Lokal war. Sie drückte die Blutung in einer Erstversorgung mit einem Kleidungsstück ab.

Trotzdem war die Verletzung kritisch, weil das Opfer auf ein »akut lebensbedrohliches Schockgeschehen« zusteuerte, was im schlimmsten Fall zu Organversagen hätte führen können, wie Rechtsmedizinerin Adina Schweickhardt erklärte.

Wegele ist sich sicher, dass der Angeklagte nicht von alleine aufgehört hätte. Ein Kumpel wie auch die Verlobte des 39-Jährigen seien immer wieder dazwischen gegangen, um den Angeklagten von seinem Opfer wegzuziehen und ihn davon abzuhalten, weiter zuzustechen.

Das Urteil verkündet die Schwurgerichtskammer am 24. April.

http://www.gea.de/region+reutlingen/reutlingen/taeter+zahlt+freiwillig+schmerzensgeld.3800611.htm

Hells Angels Reutlingen räumen ihr Clubhaus

Die Hells Angels verlassen derzeit ihr Vereinsheim in der Albstraße. „Wir sind so gut wie ausgezogen, spätestens Ende Juli sind wir draußen“, sagte Harry Schönhaar von den Hells Angels dem TAGBLATT. Zur Zukunft des Vereinsheims wollte er allerdings nichts sagen.

Die Besitzer des Gebäudes, eine Erbengemeinschaft, hatten im vergangenen Jahr eine Räumungsklage erhoben. Die Zivilklage war jedoch vom Reutlinger Amtsgericht ans Tübinger Landgericht verwiesen worden. Das Amtsgericht hatte sich wegen der Höhe des Streitwertes (die Jahrespacht für das Gebäude liegt über 5000 Euro) für nicht zuständig erklärt.

Die Erbengemeinschaft will das Haus nach TAGBLATT-Informationen abreißen (wir berichteten). Das Klubheim war bisher in der ehemaligen Gaststätte „Zum Anker“ in der Albstraße 37. Pächter ist eine GmbH, die das Haus offenbar an das Reutlinger Chapter des Hells Angels unterverpachtet hatte.

http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/reutlingen_artikel,-Hells-Angels-raeumen-ihr-Klubheim-_arid,264275.html