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Untersuchungshaft für Frank Hanebuth verlängert

Untersuchungshaft für Frank Hanebuth verlängert

Menschenhandel und Erpressung: Die Hells Angels wollten auf der Ferieninsel mafiöse Strukturen aufbauen. Der 50-jährige Rockerboss Frank Hanebuth aus Hannover muss nun deshalb weiter in spanischer Untersuchungshaft bleiben

Es war eine ziemlich lange Reise für Deutschlands wohl berüchtigsten Rockerboss, den 50-jährigen Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth: In brütender Hitze ging es in einem grün-weißen Gefangenentransporter vom Hochsicherheitsgefängnis nahe der südspanischen Stadt Puerto de Santa María zum Nationalen Gerichtshof in der spanischen Hauptstadt Madrid. Und nach einer kurzen Anhörung vor dem Haftrichter Eloy Velasco wurde er über die Autobahn wieder 650 Kilometer zurück in jenen Knast transportiert, in dem er zusammen mit Terroristen und anderen als gefährlich geltenden Verbrechern schmort.

Bis mindestens 2017 hinter Gittern

Gelohnt hat sich dieser Trip für die frühere Rotlichtgröße aus Hannover nicht. Richter Velasco hatte kein Erbarmen mit jenem Mann, der nach Meinung der spanischen Ermittler versucht hatte, mit den Hells Angels Mallorca zu erobern, dort kriminelle Geschäfte zu betreiben und vor allem das Prostitutionsgeschäft unter Kontrolle zu bekommen. Velasco verlängerte die Untersuchungshaft Hanebuths, der im Sommer 2013 auf Mallorca im Zuge eines Schlags gegen die „Höllenengel“ festgenommen worden war, um weitere zwei Jahre.
Somit muss Hanebuth hinter Gittern auf seinen Prozess warten, in dem ihm wegen des Vorwurfs des Menschenhandels, der Zuhälterei und anderer Delikte eine lange Haftstrafe droht. Er selbst bestreitet alle Beschuldigungen. Untersuchungsrichter Velasco bezeichnet ihn dagegen als „einen der führenden Chefs der Hells Angels in Europa“. Diese Organisation gehöre wiederum zu den „wichtigsten außerhalb des Gesetzes stehenden Rockerbanden, die auf dem Kontinent operieren“.

Laut Richterbeschluss kann Hanebuth nun bis maximal Juni 2017 in U-Haft eingesperrt werden. Hanebuths Verteidiger hatten eine sofortige Freilassung beantragt. Wann der Mammutprozess anlaufen wird, in dem sich Hanebuth und 54 weitere Beschuldigte verantworten sollen, steht noch nicht fest. Nach dem spanischen Strafgesetzbuch dürfen Beschuldigte bis zu vier Jahre in Untersuchungshaft gehalten werden, die dann bei Verurteilung auf die Gefängnisstrafe angerechnet wird. Angesichts der schwierigen internationalen Ermittlungen im Umfeld der europäischen Hells-Angels-Strukturen ist gut möglich, dass der Prozess erst im Jahr 2016 anläuft. Er gilt jetzt schon als eines der größten Gerichtsverfahren, die jemals in Europa gegen diese Bande stattgefunden haben. Der Prozess soll nicht auf Mallorca, sondern vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid anlaufen, der für Schwerverbrechen, Organisierte Kriminalität und internationales Verbrechen zuständig ist.

Zeugen stehen unter Polizeischutz

Richter Velasco begründete die Verlängerung der U-Haft vor allem mit „Fluchtgefahr“ und mit der Schwere der Vorwürfe gegen Hanebuth. Auch müsse bei Freilassung des Verdächtigen damit gerechnet werden, dass dieser versuche, Beweismittel zu vernichten. Und noch schlimmer, dass er Zeugen und Beschuldigte, die gegen ihn aussagen könnten, unter Druck setze. Velasco hatte monatelang verdeckt im Hells-Angels-Milieu auf Mallorca und andernorts ermitteln lassen. Zu seinem reichhaltigen Material gehören aufgezeichnete Telefongespräche, abgefangene E-Mails und belastende Aussagen von Personen, deren Identität nun geschützt wird und welche unter Polizeischutz stehen.
Hanebuth und seinen Mitbeschuldigten, von denen die meisten aus Deutschland oder Spanien stammen, werden neben Menschenhandel und Zuhälterei auch Geldwäsche, Betrug, Erpressung, illegaler Waffenbesitz, Nötigung und Gewaltdelikte angelastet. Zu den Verdächtigen gehören drei mallorquinische Polizisten, die von den Hells Angels bestochen worden sein sollen und Hanebuth, so die Ermittler, „im Zuge seiner kriminellen Aktivitäten schützten“.

Nach Ansicht der spanischen Polizei hatten sich die Hells Angels auf Mallorca wie eine Mafia organisiert: hierarchisch und mit strenger Arbeitsteilung. Einige Rocker seien für die Schmutzarbeit wie die gewaltsame Eintreibung von Geldern und Erpressung von Inselbewohnern zuständig gewesen. Andere hätten sich als Geschäftsleute getarnt, die schmutziges Geld wuschen und investierten.

Flucht aus Deutschland

„Eine der wichtigsten Aktivitäten und Finanzierungsquelle war die Prostitution“, heißt es im Ermittlungsbericht. Dafür seien junge Frauen mit falschen Versprechungen nach Mallorca gelockt und dann zur Prostitution gezwungen worden. Die Bande habe auf der Insel „in verschiedene Klubs und Bars“ investiert und sogar Hotels kaufen wollen.
Neben Hanebuth muss auch sein mutmaßlicher Hells-Angels-Stellvertreter, der Deutsch-Marokkaner Khalil Y., in Untersuchungshaft bleiben. Die meisten anderen Verdächtigen waren in den vergangenen Monaten unter Auflagen freigelassen worden. Mehrere mutmaßliche Hells-Angels-Mitglieder werden noch mit internationalem Haftbefehl gesucht.
Die deutsche Justiz, die bei den Ermittlungen eng mit den spanischen Behörden zusammenarbeitet, hatte in früheren Jahren vergeblich versucht, Hanebuth hinter Gitter zu bringen. Der Rockerboss und Bordellbetreiber aus Hannover wurde schon immer als eine der Schlüsselfiguren der deutschen Hells-Angels-Szene eingeschätzt.
Nach Ansicht der spanischen Ermittler hatte Hanebuths Umzug nach Mallorca 2013 vor allem strategische Gründe: Er habe seine Aktivitäten auf die spanische Insel verlegt, „um die Untersuchungen der deutschen Polizei- und Justizbehörden zu erschweren“. Im Mai 2012 hatten deutsche Fahnder sein Anwesen bei Hannover gestürmt, die Vorwürfe gegen ihn ließen sich damals aber nicht erhärten.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/rockermafia-auf-mallorca-untersuchungshaft-fuer-deutschen-hells-angels-chef-verlaengert/11964118.html

Hells Angels Mitglied angeklagt wegen Drogenhandel im großen Stil

Halbtot lag Daniel Nivel am Boden, damals, zur Fußballweltmeisterschaft 1998. Deutsche Hooligans hatten den französischen Polizisten zum Schwerstbehinderten geprügelt. Jetzt soll den Hooligans der Prozess gemacht werden. Unter den Angeklagten ist auch ein Brandenburger.

Die Fotos gingen um die Welt. Der Polizist Daniel Nivel liegt im französischen Lens während der Fußballweltmeisterschaft 1998 blutend am Boden. Halbtot geprügelt von deutschen Hooligans. Nivel ist seitdem schwerstbehindert. Einer der vier Täter war der gebürtige Brandenburger Christopher R., er wurde 1999 für die Gewalttat zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahre verurteilt. Nun steht der 39-Jährige erneut vor Gericht. Ab dem 9. März müssen sich er und drei Mitangeklagte wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor dem Berliner Landgericht verantworten. Sie sollen in großem Umfang mit synthetischen Drogen gehandelt haben. Christopher R. gilt als einer der Hauptangeklagten.

Der Prozess vor der 25. Großen Strafkammer findet unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. „Hintergrund ist die Hooligan- und Rockerszene“, sagt Gerichtssprecher Tobias Kaehne. Christopher R. hatte sich nach seiner Haftentlassung 2003 in Potsdam dem Rockerclub Hells Angels angeschlossen. Später zog er nach Mallorca, um dort ein Charter des Rockerclubs aufzubauen. Doch auf der Urlauberinsel bekam er offenbar Probleme mit der spanischen Rockerszene. Die Ermittler gehen davon aus, dass Christopher R. von Mallorca aus auch die Drogengeschäfte geregelt und mit den Hells Angels in Berlin in engem Kontakt gestanden habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft Christopher R. und seinen Mitangeklagten Maik J. (35), Eric J. (23) und Gerd M. (61) Drogenhandel im großen Stil vor. Laut Anklage handelten sie von Dezember 2012 bis Juni 2014 in großem Umfang mit synthetischen Drogen. Christopher R. und Maik J. sollen wiederholt größere Mengen an Chemikalien erworben und für die Herstellung von Drogen an illegale Labore in den Niederlanden geliefert haben. „Dafür sollen sie von dort Amphetamine und Ecstasy erhalten haben, dass für den Verkauf in Deutschland bestimmt war“, erklärt der Gerichtssprecher. Die beiden anderen Angeklagten sollen als Transporteure, Portionierer und Verteiler tätig geworden sein.

Mitte Juni vergangenen Jahres wurden die Tatverdächtigen gefasst. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei nahm Christopher R. fest. Bei Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler Chemikalien für die Herstellung von Drogen. So entdeckten sie unter anderem große Mengen Apaan, einem Grundstoff, aus dem Amphetamin wie etwa Crystal Meth hergestellt wird. Laut Anklage hätte die Chemikalie für 273 Kilogramm Amphetamin gereicht.

Christopher R. soll bisher zu den Vorwürfen geschwiegen haben. Dagegen soll sein Mitangeklagter Gerd M. gestanden und damit auch seine mutmaßlichen Komplizen belastet haben.

http://www.berliner-zeitung.de/brandenburg/nach-pruegelattacke-zur-wm-1998-prozessauftakt-gegen-deutsche-hooligans,10809312,29927214.html

Was geben die Akten her über die Hells Angels Mallorca

Ein Blick in den Ermittlungsbericht zeigt: Die Youssafi-Brüder haben mehr auf dem Kerbholz als Hanebuth. Und: Viele Beweise gibt es nicht.

Rund 60 Seiten umfasst der vergangenen Woche vorgelegte Abschlussbericht, in dem Richter Eloy Velasco die Machenschaften der Hells Angels teils sehr detailliert rekonstruiert. Ob all die Indizien und Beweise, die größtenteils auf Telefonmitschnitten, Zeugenaussagen und bei der spanischen Polizei erstatteten Anzeigen beruhen und in dem Dokument recht wirr und zusammenhangslos wiedergegeben werden, am Ende für eine Verurteilung ausreichen, ist allerdings weiterhin fraglich. Bisher hat die Madrider Staatsanwaltschaft nicht einmal entschieden, ob sie überhaupt gegen alle oder einen Teil der 55 Beschuldigten Anklage erheben wird. Obwohl Velasco sich eine Entscheidung innerhalb von 15 Tagen ausbat, werde es in diesem Fall um einiges länger dauern, da erst einmal alle Beteiligten die Unterlagen erhalten und Übersetzungen angefertigt werden müssten, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die MZ warf unterdessen einen Blick in den Ermittlungsbericht.

Die Strippenzieher

Beim ersten Anlauf der Hells Angels, ein Mallorca-Chapter zu installieren, spielten im Herbst 2009 laut Ermittlungsbericht das Chapter Luxemburg Nomads und dessen Präsident Fardad Bagherzadeh eine tragende Rolle. Auch Necati Arabaci, damaliger Präsident des Chapters Nomads Turkey in Izmir und seit Hanebuths Inhaftierung als neuer, jedoch selbst in Rocker-Kreisen umstrittener, Europa-Boss im Gespräch, soll 2010 auf der Insel gewesen sein. Die Posten im ersten Mallorca-Chapter wurden weitgehend mit Gefolgsleuten von Bagherzadeh und Arabaci, die Richter Velasco per internationalem Haftbefehl dingfest machen will, besetzt. Präsident wurde der aus der Türkei übergesiedelte Evangelos C. Zu seinen wichtigsten Handlangern sollen die Brüder Khalil und Abdelghani Youssafi gezählt haben, die damals noch den Anwärterstatus „Prospects“ hatten und Anfang 2011 zu Mitgliedern ernannt wurden.
Nach der Auflösung des Mallorca-Chapters Ende 2011 wurde Ende 2012 erneut versucht, auf der Insel Fuß zu fassen. Dieses Vor­haben steht laut Ermittlern in direktem Zusammenhang mit Frank Hanebuth. Bereits im Oktober 2011 soll er zusammen mit den Youssafi-Brüdern nach Madrid geflogen sein, um bei den spanischen Hells Angels wegen einer Club-Neugründung vorzusprechen. Khalil wurde im neuen Chapter schließlich zum Vizepräsidenten, Abdelghani zum Schatzmeister. Als Präsident fungierte ein gewisser Norbert K., wobei der nur als Strohmann diente und der wahre Chef Hanebuth gewesen sein soll. Hierfür spricht Velasco zufolge auch, dass man unter seinen Habseligkeiten bei der Großrazzia im Juli 2013 auf Mallorca die Kutte mit der Aufschrift „President Mallorca“ fand.

Die Anklagepunkte

Das mit Abstand längste Sünden­register haben Khalil und Abdelghani Youssafi. Ihnen legt Velasco 13 bzw. 11 Straftatbestände zur Last, darunter Menschen- und Drogenhandel, Zwangsprostitution, Geldwäsche, Erpressung und Strafvereitelung. Frank Hanebuth müsste sich hingegen nur wegen sechs Straftatbeständen verantworten. Sein Hannoveraner Anwalt Götz von Fromberg ist deshalb immer noch gelassen: „Wenn das alles ist, bin ich nach wie vor optimistisch.“ Fast allen Beschuldigten – mit Ausnahme einiger Polizisten – wirft Velasco Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. In der Liste der Anzuklagenden finden sich auch die Frau von Khalil Youssafi und die Lebensgefährtin von Hanebuths Vertrautem Paul Engelke, der Nötigung, Bedrohung und Geldwäsche vorgeworfen wird. Auch sie lebte auf der Finca in Lloret de Vistalegre auf Mallorca, wo die beiden Männer 2013 verhaftet wurden.

Frauenhandel und Prostitution

Dem Bericht zufolge soll Hanebuth über die Youssafi-Brüder und andere Mittelsmänner für 120.000 Euro die Table-Dance-Bar Red Palace an der Playa de Palma und für 150.000 Euro den Club 97 im Gomila-­Viertel erworben haben. In beiden Etablissements sollen Frauen, die unter anderem aus Deutschland auf die Insel gebracht wurden, zur Prostitution gezwungen worden sein. Für die Koordination war maßgeblich Khalil Youssafi verantwortlich, der in Telefonaten von „vier Stück, zwei Tänzerinnen und zwei normale“ spricht oder für ein Event um „ein bisschen Material“ bittet. Wie aus den Abhörprotokollen hervorgeht, verdienten die Frauen pro Tag 25 Euro plus 50 Prozent ihrer Einnahmen und wurden je nach Bedarf zwischen den Clubs hin- und hergeschickt. In mehreren Fällen sollen die Frauen zu Schönheitsoperationen genötigt worden sein, da sie als Prostituierte nicht „mit schwarzen Zähnen und kleinen Brüsten“ herumlaufen könnten. Als Beweise werden zudem die Aussagen von drei Tschechinnen angeführt, die im Mai 2013 Anzeige erstatteten. Ihnen hatte man Jobs als Hostessen versprochen, doch
stattdessen sollten sie anschaffen gehen. Als sie sich weigerten, wurden sie in einer Wohnung in Can Pastilla eingesperrt. Bereits Ende 2011 hatte ein Deutscher Anzeige erstattet, weil seine Tochter – die zugleich die Lebensgefährtin von Abdelghani Youssafi sein soll – zur Prostitution gezwungen wurde. Daneben wussten die Ermittler von einem Treffen zwischen Hanebuth und Luigi de M., dem vor einigen Wochen wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Steuerhinterziehung festgenommenen Betreiber des Globo Rojo. Der Kauf von Palmas bekanntestem Bordell hätte mit Geld aus der Schweiz finanziert werden sollen, letztlich kam das Geschäft aber nicht zustande.

Die Komplizen von der Polizei

Rückendeckung erhielten die Hells Angels dem Bericht zufolge von mindestens vier Polizeibeamten. Die wichtigste Rolle soll Ortspolizist Nicanor G. gespielt haben, der Khalil Youssafi vor Kontrollen und Razzien seiner Kollegen im Red Palace und anderen Lokalen warnte. Zu den Beschuldigten zählt außerdem Carlos V. von der Policía Local, der unter anderem nach einer Messer­stecherei die Anzeige gegen einen Hells Angels gelöscht haben soll – gegen Bezahlung.

http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2015/02/05/hells-angels-gibt-akte-her/34913.html

Anklage gegen Hells Angels Mallorca und Komplizen erhoben

Vor gut eineinhalb Jahren gelang der Polizei bei einer Großrazzia auf Mallorca ein riesiger Fang: 24 Personen aus dem Umfeld der Hells Angels wurden festgenommen. Jetzt haben die spanischen Behörden ihre Ermittlungen beendet.

Die Anklage gegen Rockerboss Frank Hanebuth (50) und seine Kollegen steht! Die Ermittler haben ihren Abschlussbericht (95 Seiten) vorgelegt.

► Laut Mallorca-Zeitung sollen 55 Mitglieder und Komplizen der Rockerbande vor Gericht.

► Die Anklagen lauten auf Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Zwangsprostitution, Menschenhandel, Betrug, Freiheitsberaubung und Geldwäsche.

Laut des Berichts gibt es noch elf weitere Verdächtige, die noch nicht festgenommen werden konnten. Wann und wo der Mammut-Prozess starten soll, ist noch unklar.

Der ermittelnde Richter in Madrid, Eloy Velasco, strebt ein sogenanntes „beschleunigtes Verfahren“ an. Die Ermittlungen laufen schon seit 2009.

Bis auf Rockerboss Frank Hanebuth (50) und einen seiner Helfer auf der Insel, sind inzwischen alle im Juli 2013 Festgenommenen wieder frei, allerdings teils auf Kaution.

Das Land dürfen sie jedoch nicht verlassen. Hanebuth wurde inzwischen vom Gefängnis in Palma in eine Haftanstalt im südspanischen Cádiz verlegt.

Hauptbeschäftigung der Hells Angels auf Mallorca war laut Bericht des Richters die Zuhälterei. Hierzu sollen die Rocker junge Frauen auf die Insel gebracht und zur Prostitution gezwungen haben. Auch Geldwäsche und Scheinfirmen soll es gegeben haben.

Wie kamen die Hells Angels nach Mallorca?

Im Laufe der Ermittlungen wurden 2013 auch drei spanische Polizisten festgenommen, die den Rockern Informationen beschafft sie gedeckt haben sollen.

2009 hatten die Hells Angels auf Mallorca ein eigenes Charter gegründet. 2011 löste sich der Insel-Club nach einer Massenschlägerei mit Mitgliedern des Gremium MC Motorradclubs wieder auf.

Laut Ermittlungsbericht waren an der Bildung des Mallorca-Chapters vor allem Hells Angels aus der Türkei beteiligt, die nach Mallorca übergesiedelt waren.

Ende 2012 versuchten die Rocker dann erneut auf Mallorca ein Charter aufzubauen. Zu dieser Zeit soll sich wenige Monate vor der Großrazzia auch der früher in Hannover residierende Rockerboss Hanebuth auf der Insel niedergelassen haben.

http://www.bild.de/news/inland/news-inland/anklage-gegen-hanebuth-und-hells-angels-fertig-39619090.bild.html

Weitere Festnahmen im Polizeiskandal auf Mallorca

Auf Mallorca ist am Donnerstag (15.1.) der Leiter der „Patrulla Verde“ verhaftet worden: Die Spezialabteilung der Ortspolizei ist unter anderem für die Einhaltung der städtischen Verordnungen sowie für Straßenhändler zuständig. Die Festnahme erfolgte im Rahmen von Ermittlungen, die Guardia Civil und Policia Nacional wegen Korruptionsvorwürfen innerhalb der Ortspolizei durchführen.

Bereits am Montag (12.1.) waren acht Polizisten verhaftet worden, am Mittwoch mussten sie vor der zuständigen Ermittlungsrichterin aussagen. Diese verhängte gegen drei der Beamte eine vorläufige Haftstrafe und legte die Kautionszahlungen auf 20.000 bis 30.000 Euro fest. Die anderen fünf Polizisten wurden vorläufig aus der Haft entlassen. Zuvor hatten auch der Chef der Ortspolizei Palma sowie der für Sicherheitsfragen zuständige Stadtrat als Beschuldigte vor dem Untersuchungsrichter aussagen müssen.

Die Mehrzahl der Beschuldigten hat zudem ein Platzverweis für die Playa de Palma und den Paseo Marítimo in Palma – in eben jenen Vergnügungsvierteln sollen die Polizisten in Schutzgeldzahlungen, Erpressungen und Bestechung verwickelt gewesen sein.

Einer der am Montag Festgenommenen, der Ortspolizist Carlos V., war bereits bei der groß angelegten Razzia im Zuge der „Operación Casablanca“ gegen die Hells Angels im Juli 2013 verhaftet worden. Seine Kaution hatten damals offenbar die anderen Mitglieder der Polizei-Clique bezahlt, die in einschlägigen Etablissements an der Playa de Palma bei Gesetzesverstößen ein Auge zudrückten und im Gegenzug diverse Gefälligkeiten erhielten.

Auch der deutsche Rockerboss Frank Hanebuth war damals auf Mallorca verhafetet worden, er sitzt in einem Gefägnis auf dem spanischen Festland nach wie vor in Untersuchungshaft. Die Operation Casablanca hatte die Emittler der Nationalpolizei und der Guardia Civil auch auf die Spur manipulierter Beförderungsverfahren innerhalb der Ortspolizei Palma gebracht.

Palmas Bürgermeister Mateo Isern entband Presseberichten zufolge am Donnerstag sechs der beschuldigten Beamten von ihren Aufgaben. Zudem will er die Sondereinheit GAP, in der die Polizisten bisher tätig waren, gänzlich neu aufstellen.

http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2015/01/15/polizeiskandal-playa-verbindungen-hells-angels/34535.html