Brisante Neonazi/Rocker-Szene

Zwei bis drei Prozent der bekannten Rechtsextremisten sollen Rockerverbindungen haben – die Sicherheitsbehörden geben dennoch Entwarnung, es bestehe keine sicherheitsgefährdende Entwicklung.

Die Behörden haben nachgebessert. Die Rede ist nicht mehr von „Einzelfällen“, sondern 522 ermittelte Personen bilden Schnittstellen zwischen Neonazi- und Rockermilieu. Dennoch, so steht es in einem internen „Lagebild“ von Bundeskriminalamt und Bundesamt für Verfassungsschutz, stelle das keine „relevante Entwicklung“ dar. Mehr als ein Drittel der Rechtsextremisten, die zu den über 7000 in der Polizeidatei erfassten Rockern wechseln, seien demnach nicht mehr politisch – aber fast zwei Drittel sind es wohl schon noch.

Obwohl Mecklenburg-Vorpommern in der Studie kaum auftaucht, zeichnen sich gerade dort krasse Beispiele ab. Die bekannten Neonazis Mirko Appelt, Sven Fischer und Felix Bliesener zählen zum neu gegründeten Rostocker „Hells Angels“-Charter, Appelt anscheinend sogar in herausragender Stellung.

Auch der langjährige Neonazi Lars Jacobs, langjähriger Begleiter von Christian Worch, bewegt sich wie zahlreiche Rechte im Umfeld von Kampfsport, Tattoo-Szene und Rotlicht. Der Ex-Präsident des „MCs Schwarze Schar“, Philip Schlaffer, wurde diese Woche trotz Unterstützung durch den rechtsextremen Szene-Anwalt Wolfram Nahrath zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Drogenhandels verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Pegida-Organisator steht „Red Devils“ nahe

Die Liste der Neonazis aus den radikalen Freien Strukturen, die ins Hooligan- und Rockermilieu abwandern, ist lang. Insbesondere die HoGeSa und Pegida-Bewegungen bringen diese unheimlichen Verbindungen zutage. So steht mindestens einer der Pegida-Organisatoren, Siegfried Daebritz, dem „MC Red Devils“ nahe und kennt auch Mitglieder der Schwarzen Schar.

Den Behörden zufolge haben unter anderem acht Personen der Gruppe „Voice of Anger“ (Baden-Württemberg) Rockerkontakte, sieben waren es seinerzeit bei „Blood&Honour“ und sieben sind es bei der NPD, das „Aktionsbüro Rhein-Neckar“, die „Jagdstaffel DST“ sowie die „Weissen Wölfe Terrorcrew“ sollen jeweils drei Verbindungspersonen haben. Spannend sind vor allem Gruppierungen wie „East Coast Brotherhood“, „Bruderschaft Pankow“ oder „Brigade 8“. So genannte Mischszenen, oft Rechte mit Kutte und guten Kontakten zu den großen gewaltbereiten so genannten 1%er-Clubs. Sie sind keine „Supporter“, werden aber im Umfeld akezptiert.

Polizeibekannte Bremer „Legionäre“

Anders als der „MC Legion 81“ hat die neue Gang „Legion Bremen“ keinen Supporterstatus, steht den „Hells Angels“ aber deutlich nahe. Die „taz Nord“ warnte kürzlich umfangreich vor Aktivitäten in deren Umfeld. Das Hauptquartier der „Legion“ liegt genau an der Grenze zwischen den Orten Weyhe und Stuhr, an der Landesgrenze zu Bremen, im Vorderhaus befindet sich ein Steakrestaurant.

Auf eine Kleine Anfrage der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Marco Brunotte, Luzia Moldenhauer und Axel Brammer (SPD) teilte das Innenministerium in Hannover nun mit, der „Legion“ würden derzeit rund 35 Personen zugerechnet. Gegen 15 von ihnen liegen kriminalpolizeiliche Erkenntnisse vor, darunter auch wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Vier „Legionäre“ werden als „Gewalttäter Sport“ geführt. Einzelne Mitglieder kommen vom mittlerweile nicht mehr existenten „Red Devils MC „‘West Side‘“.

Im Frühjahr 2013 beteiligten sich Mitglieder der „Legion Bremen“ an den rechtspopulistischen Protesten anlässlich des Todes eines 21-Jährigen in Kirchweye. Im „Lagebild“ der Bundesbehörden taucht die „Legion“ nicht auf. Dabei scheint die Verbundenheit zwischen rechter „Standarte Bremen“ und dem MC sehr eng, es gibt sogar Doppel-„Mitgliedschaften“.

http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/brisante-neonazirocker-szene

Schwarze Schar Präsident muss in Haft

Der frühere Anführer des verbotenen Rocker-Clubs “Schwarze Schar MC Wismar” ist wegen unerlaubten Drogenhandels zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Schwerin kam nach zweitägiger Verhandlung zu der Überzeugung, dass der 36-jährige Philipp Schlaffer den Aufbau einer Cannabis-Zucht-Plantage bei Wismar finanziert hat und am Gewinn beteiligt war.

Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels fallen gelassen

Den Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels, der mit Freiheitsstrafen ab fünf Jahren geahndet wird, ließ das Gericht fallen. Der Angeklagte sitzt seit Juli in Untersuchungshaft. Er bestritt eine aktive Beteiligung an den Drogengeschäften und hat nach eigenen Angaben mit der Rockerszene gebrochen. Für das Strafmaß hätte eine weitere Zugehörigkeit einen großen Unterschied im Falle einer Verurteilung bedeutet.

Verhandlung gegen weitere Club-Mitglieder

Bereits seit September verhandelt die Strafkammer in gleicher Sache gegen vier ehemalige Club-Mitglieder, von denen zwei bei einer Drogenfahrt von Bremen nach Wismar mit größeren Mengen Drogen im Wert von rund 20.000 Euro auf frischer Tat gestellt worden waren.

Kumpanen Darlehen gewährt

Der Angeklagte habe zwar gewusst, dass ein Mitglied der “Schwarzen Schar” ein Drogengeschäft aufziehen wollte, sei aber nicht daran beteiligt gewesen. In einer von ihm selbst verlesenen Erklärung räumte der gebürtige Lübecker ein, einem der anderen Angeklagten ein Darlehen über 30.000 Euro gegeben zu haben. Mithilfe dieses Geldes habe der Mann über einen Strohmann ein Haus in der Nähe Wismars gekauft, um dort professionell Cannabis anzubauen.

V-Mann gab Hinweise

Die Ermittlungen waren erst nach Hinweisen eines V-Manns aus dem Umfeld des Rockerclubs in Gang gekommen. Der Prozess fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt, weil die Polizei einen Zeugen schützen wollte. Das Verfahren gegen Schlaffer war wegen Terminschwierigkeiten des Verteidigers abgetrennt worden, wie es zur Begründung vom Gericht hieß. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte den “Schwarze Schar MC Wismar” und dessen Teilorganisation “Schwarze Jäger MC Wismar” im Januar 2014 verboten. Beiden Vereinigungen wurde vorgeworfen, in verschiedene Fälle von Gewaltkriminalität verwickelt gewesen zu sein.

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Ex-Schwarze-Schar-Chef-muss-in-Haft,schwarzeschar156.html

Razzia bei United Tribuns in Lörrach

Lörrach. Bei einer Großaktion haben Polizisten in Lörrach zwei Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns festgenommen. Polizei und Staatsanwaltschaft teilten am Donnerstag mit, Kripobeamte hätten bei ihren Ermittlungen monatelang vier Männer im Alter zwischen 19 und 34 Jahren in den Fokus genommen. Sie sollen im Raum Lörrach Bar-Betreiber um Schutzgeld erpresst haben.

Bei der großangelegten Razzia am Montag, zu der auch Spezialkräfte und Diensthunde eingesetzt wurden, seien sieben Objekte durchsucht und umfangreiche Beweismaterialien sichergestellt worden. Gegen zwei Männer ergingen Haftbefehle. Die Ermittlungen dauern an.

In Pforzheim war die Türsteher-Clique der United Tribuns im Mai 2011 durch eine Massenschlägerei mit den Rockern der inzwischen verbotenen Pforzheimer Hells Angels auf dem Güterbahnhofgelände. Rund 40 Personen schlugen auf einem Parkplatz mit Macheten und Baseballschlägern um sich, ein Verletzter schwebte in Lebensgefahr – und es fiel ein Schuss aus einer scharfen Waffe. Inzwischen ist es nach dem Verbot der Hells Angels und der Selbstauflösung der Black Jackets in Folge von Gerichtsverhandlungen gegen führende Köpfe sowie nach dem Rückzug der United Tribuns aus dem Rampenlicht im Bereich der Bandenrivalitäten etwas ruhiger geworden.

http://www.pz-news.de/baden-wuerttemberg_artikel,-Razzia-bei-United-Tribuns-in-Loerrach-Schlag-gegen-organisierte-Kriminalitaet-_dossier,-Rocker-kontra-Tuersteher-Hells-Angels-United-Tribuns-Black-Jackets-Gremium-_arid,529704_dossierid,11.html

Treffen der Hells Angels in Ackendorf

In Ackendorf bei Haldensleben hat die Polizei eine Versammlung des Rockerclubs “Hells Angels” gesichert, um mögliche Zwischenfälle zu verhindern. Führende Mitglieder aus ganz Deutschland trafen sich nach MDR-Informationen in dem Haus eines lokalen Motorradclubs.

Zwischenzeitlich 300 Beamte im Einsatz

Ein Polizeisprecher sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es handele sich um etwa 100 Personen. Schwer bewaffnete und vermummte Spezialeinsatzkräfte sperrten die Hauptstraße der 400-Einwohner-Gemeinde in der Börde. “Alles, was uns möglich ist, nutzen wir aus, um möglichen Straftaten vorzubeugen”, sagte der Sprecher.

Da das Treffen auf einem Privatgelände stattfand, führte die Polizei vor allem Verkehrskontrollen durch. Dabei kontrollierten die Beamten bis zum Abend rund 80 Personen. Sie stellten unter anderem mehrere Messer, Quarzhandschuhe sowie Pfefferspray sicher. Gegen drei Mitglieder der Hells Angels wurden Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und das Vereinsgesetz eingeleitet. Festnahmen gab es in Ackendorf bis Donnerstagabend keine.

Die Rocker hatten sich schon am frühen Donnerstagmorgen in Magdeburg getroffen. Dort waren in der Nähe des Hasselbachplatzes zwei Männer festgenommen worden. Ihnen wird der Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Die restlichen Mitglieder der “Hells Angels” bewegten sich danach Richtung Ackendorf.

Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz bis zum Beenden des Treffens aufrechtzuerhalten. Insgesamt waren bislang rund 300 Beamte des Polizeireviers Magdeburg, der Landesbereitschaftspolizei sowie des LKA im Einsatz.

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/rockertreffen-ackendorf-hells-angels100_zc-a2551f81_zs-ae30b3e4.html

Schleswig-Holstein verbietet weitere Rocker-Symbole

Die Landespolizei greift durch: Im Norden dürfen Mitglieder verbotener Rocker-Organisationen keine Club-Embleme mehr öffentlich tragen. Zwölf Gruppierungen sind von dem Verbot, das mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, betroffen. Polizeidirektor Joachim Gutt kündigt Kontrollen an.

„Wir wissen zwar, dass die Rocker noch im Land präsent sind. Wir wollen aber, dass sie öffentlich unsichtbar werden und keine Chance haben, mit Kutten oder Abzeichen Menschen einzuschüchtern“, sagt Gutt. Immer wieder hatten Rocker von aufgelösten Clubs wie den Hells Angels Kiel oder den Bandidos Neumünster versucht, durch das Tragen von Kutten anderer lokaler Vereine das Verbot zu umgehen. Damit ist jetzt Schluss.

Möglich wird dies durch ein Urteil des Hamburger Oberlandesgerichts, wonach im Fall der Hells Angels nicht nur das Tragen der Weste mit dem geflügelten Totenkopf „Deadhead“ und dem rot-weißen Schriftzug, sondern auch die Verwendung dieser Kennzeichen auf Clubhäusern und Motorrädern unzulässig ist. Die Folge: „Das Zeigen von Emblemen aller verbotenen Vereine ist in Schleswig-Holstein als strafbewährt anzusehen“, sagt Gutt. In welchem Ort Verbote ausgesprochen wurden, ist unerheblich und könne bundesweit angewendet werden. Zu diesem Ergebnis seien Polizei, Staatsanwaltschaften und der schleswig-holsteinische Generalstaatsanwalt gekommen.

Zwölf Gruppierungen nebst ihren Abzeichen und Insignien stehen nunmehr in Schleswig-Holstein auf dem Index. Betroffen sind die Hells Angels, Bandidos, Red Devils, Mongols, Chicanos, Gremium sowie die Unterstützer-Clubs Red Nation/Red Legion, Schwarze Schar, Diablos, X-Team, Oder City Kurmark und Commando 81. „Jegliches öffentliches Zeigen von Abzeichen – vom Aufkleber bis zum Anstecker – ist untersagt“, betont Lothar Gahrmann vom Landespolizeiamt. Kutten und Abzeichen würden bei Verstößen beschlagnahmt und vernichtet. „Das gilt auch für Rocker auf der Durchreise“, droht Gutt.

200 Rocker gebe es im Land. Sie seien bereits auf die neue Rechtslage hingewiesen worden. „Zumindest nach außen hin gibt es in Schleswig-Holstein im Moment zwar keine spektakulären Rockereinsätze“, berichtet der Polizeidirektor. Allerdings gebe es Begehrlichkeiten von Gruppen, insbesondere im Rotlichtmilieu Fuß zu fassen. Ein Beispiel seien die Mongols in Kiel. Dabei spielen die Kutten und Embleme für die Rocker eine wichtige Rolle. „Sie meinen damit, Macht an den Tag zu legen“, sagt Gutt. Dies soll sich nun ändern.

http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Aus-dem-Land/Polizei-in-Schleswig-Holstein-erweitert-Kuttenverbot-fuer-Rocker