Prozess um Mord an Berliner Türsteher

Berlin-Moabit – War wirklich alles Lüge? Im Prozess um den Mord an Türsteher Sebastian „Locke“ K. (39) im September 2013 vor dem Soda-Club nahm Zeugin Maxi S. (25) am Mittwoch ihre frühere Aussage komplett zurück.

„Ich hielt dem sterbenden Locke die Hand“ hatte sie nach der Tat vor der Polizei ausgesagt. Und zu Freunden, dass sie wisse, dass „die G.-Brüder“ dahinter steckten.

Vor dem Landgericht erklärte die Pflegehelferin nun: „Das Handhalten war gelogen.“ Als sie aus dem Club kam, sei schon alles abgesperrt gewesen.

Und dass andere habe sie nie gesagt. „Ich kenne keine Brüder mit diesem Namen.“ Der Richter stirnrunzelnd: „Haben Sie vor irgendwem Angst?“ Die Zeugin: „Nein, wieso?“

Dass die Kugeln Sebastian K. trafen, war offensichtlich Zufall. Kurz vorher hatte er seine drei Kollegen in den Klub geschickt, um einen Volltrunkenen an die frische Luft zu befördern.

Ein Zeuge bestätigte: „Locke war ein friedfertiger Typ, immer bemüht, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.“ Anders als mancher Kollege, der schon mal „gut durchgriff“. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

http://www.bild.de/regional/berlin/tuersteher/zeugin-nimmt-aussage-komplett-zurueck-38255440.bild.html

Bandidos-Clubhaus bleibt unvollendet

Mitglieder der kriminellen Vereinigung sind in Altwigshagen hilfsbereit und umgänglich aufgetreten. Nach durchaus erfreulichem Auftakt haben sich die Fremden aber vom Acker gemacht.

Die “Bandidos” haben offenbar versucht, in Altwigshagen bei Ueckermünde ein Clubhaus einzurichten. Dazu hätten laut Bürgermeisterin Gerlinde Foy bereits vor Jahren “Privatleute” den leer stehenden Jugendclub erworben. Immerhin sagten die Käufer zu, das Haus nicht weiter dem Verfall zu überlassen. Kurz darauf habe sie aus dem Dorf erfahren, dass es sich bei den Käufern um die Rockergruppierung handelt. „Getan hat sich am Gebäude auch sehr viel“, beschreibt die Bürgermeisterin. Der Flachbau bekam ein ordentliches Dach, dazu neue Fenster und Türen. „Die haben sogar eine Photovoltaik-Anlage montieren lassen“, sagt die Bürgermeisterin.

Ihr sei von den “Bandidos” in der Bürgermeistersprechstunde auch angeboten worden, “im Ort etwas zu machen“, sagt Gerlinde Foy. „Das waren so fünf, sechs Leute von außerhalb, die sind hier gar nicht weiter aufgefallen.“ Zudem seien sie nicht in ihren markanten Lederkutten aufgekreuzt. „Soweit ich mich erinnere, hatten die, bis auf einen, auch gar keine Motorräder.“ Der Kontakt sei eingeschlafen, und nun müsse man sehen, ob es eine Fortsetzung der Geschichte gibt. Was aber unwahrscheinlich ist, denn im Moment haben die „Bandidos“ wohl andere Sorgen als diesen Außenposten inmitten der vorpommerschen Pampa. Im Kampf gegen die Rockerkriminalität hat das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns unter anderem den “Bandidos” das Tragen ihrer Symbole verboten.

http://www.nordkurier.de/ueckermuende/bandidos-clubhaus-bleibt-wohl-unvollendet-2210563310.html

Razzia bei Bandidos im Ruhrgebiet

BOCHUM/ESSEN Bei einer bundesweiten Razzia im Rockermilieu wurden am Mittwochmorgen auch die Vereinsheime des Motorradclubs Bandidos in Bochum und Essen durchsucht. In Bochum hoben die Beamten ein Labor zur Herstellung von Arzneimittel-Plagiaten aus. Es gab Festnahmen.

In enger Abstimmung mit den Ermittlungsbehörden in Bayern und Österreich waren die Beamten der Polizei Oberhausen in den frühen Morgenstunden ausgerückt. Sechs Objekte, die im Zusammenhang mit Rockerkriminalität stehen, wurden im Ruhrgebiet durchsucht. Darunter die beiden Vereinsheime des Bandidos MC in Bochum und Essen.

In Bochum stieß die Polizei dabei auf ein Labor zur Herstellung von falschen Arzneimitteln. “In dem Vereinsheim gab es Räume, die als Labor fungierten, in dem mit bestimmten Substanzen Plagiate von Arzneimitteln hergestellt wurden”, berichtet ein Polizeisprecher. Diese seien dann illegal verkauft worden. “Damit lässt sich viel Geld machen”, so die Polizei. Über die Art der Arzneimittel sowie die Vertriebswege machte der Sprecher keine näheren Angaben. In Bochum seien aber neben den Materialien zur Herstellung dieser Plagiate auch Materialien für den Vertrieb sichergestellt worden – in “umfangreichem Maße”, wie die Polizei in einer Mitteilung betont.

In Bayern hatten es die Beamten auf 20, in Österreich auf drei Immobilien abgesehen. Neben dem Labor in Bochum fanden die Beamten im Ruhrgebiet auch illegale Schusswaffen, Munition sowie Betäubungsmittel. “Wir sprechen hier von Hieb- und Stichwaffen, darunter auch eine Machete”, so ein Sprecher der Polizei Oberhausen.

Ein Täter im Ruhrgebiet festgenommen

Bereits seit geraumer Zeit laufen Ermittlungen gegen einen Personenkreis aus dem Rockermilieu wegen Rauschgift- und Waffendelikten, so die Oberhausener Polizei in einer Mitteilung. Federführend seien die Staatsanwaltschaften Passau, Deggendorf und Regensburg. Im Vorfeld der Razzia hatten die Amtsgerichte Passau und Regensburg Haftbefehle gegen vier Haupttäter ausgestellt. Einer der Täter wurde im Ruhrgebiet festgenommen. Drei der Haupttäter stamme aus dem Umfeld des Bandidos MC, der in engem Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelhandel stehe, so die Polizei.

http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/vermischtes/aktuelles_berichte/Bandidos-Haeuser-durchsucht-Razzia-bei-Rockern-im-Ruhrgebiet;art29854,2518051

Wirren im Hells Angels Prozess um Reemstma-Lösegeld

Ermittler der Sonderkommission Hessen Süd kämpfen seit Jahren gegen die Machenschaften der Frankfurter Hells Angels. Nun sagen sie vor Gericht aus.

Aachen/Frankfurt. Frankfurter Rotlichtmilieu; zweifelhafte Investoren mit Millionen Euro, überwiesen vom Konto einer Schweizer Briefkastenfirma; angebliches Reemtsma-Lösegeld; Hells Angels, die ein Bordell bauen lassen und Machenschaften von Lotto-Betrügern – das ist die anrüchige Melange, auf der das Aachener Verfahren gegen den mutmaßlichen Erpresser Horst „Bongo“ R. (62) und seine Schwester Karin T. (60) beruht.

Das Team der Kriminalpolizei aus Südhessen, das vier Jahre lang von 2009 bis 2013 in einem Geldwäscheverfahren gegen hochkarätige Mitglieder des Charters „Westend“ der Frankfurter Hells Angels ermittelte, war vor der 6. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts geladen – als Zeugen. Denn es bestand beim hiesigen Gericht einiger Aufklärungsbedarf über Frankfurter Milieuzusammenhänge, in denen sich anscheinend nur der Angeklagte Aachener, Horst R., als ehemalige Hamburger-Kiezgröße recht genau auskennt.

Das Frankfurter Geldwäscheverfahren rund um den Millionenbau des FKK-Clubs „Shark’s“ in Darmstadt brachte letztlich nichts, wie Ermittler Ralf L. (49) achselzuckend berichtete. Ins Visier der Kriminalen waren zwei hochkarätige Frankfurter Hells Angels, nämlich der Vize des inzwischen verbotenen Charters Westend, genannt „der Graue“, wie auch der damalige „Präsident“ des Charters, im Milieu genannt „Schnitzel-Walter“, gekommen.

Mit von der Partie war ebenso ein Frankfurter Ex-Anwalt mit einer Kanzlei auf der Kennedyallee, der bei den Millionengeschäften regelmäßig für die benötigte Rechtsberatung sorgte, sowie ein Geschäftsmann, der selbst Geld einbrachte – Geld mutmaßlich aus betrügerische Lotto-Geschäften, bei denen Tippgemeinschaften über den Tisch gezogen wurden. Und für diesen „Geschäftsmann“ soll Horst „Bongo“ R. lange Jahre in seiner Hamburger Kiezzeit gearbeitet haben.

Bei der telefonischen Überwachung dieser und einer Reihe anderer Personen habe sich ergeben, bestätigte der Kripomann bei der Entwirrung der Frankfurter Unterweltgrößen, dass regelmäßige Zahlungen an Horst R. über seine in Aachen wohnende Schwester Karin T. erfolgen sollten. Und zwar immer dann, wenn der seit Jahren wegen eines offenen Haftbefehls in Rio de Janeiro residierende „Bongo“ bei den Frankfurtern anrief – und Druck machte.

Im Hintergrund all dieser Geldgeschäfte, auch bei der Überweisung von zwei Millionen Euro für den Bau des Darmstädter FKK-Clubs, standen immer Teilbeträge des sogenannten Reemtsma-Lösegeldes, das der inzwischen entlassene Entführer Thomas Drach 1996 erpresst hatte. Das bestätigte einer der Darmstädter Ermittler. So soll auch der in Aachen angeklagte Horst R. bereits 2001 rund 600 000 Euro aus diesem Geld von Drachs Bruder Lutz zur Geldwäsche bekommen haben, genauere Erkenntnisse wurden nicht offenbar.

Doch hat der Angeklagte wirklich zwei hochkarätige Hells Angels erpresst? Das weist der Angeklagte R. weit von sich. Obwohl er aktuell nichts dazu sagt, schüttelte er immer wieder empört den Kopf. In einer richterlichen Vernehmung, die vom Vorsitzenden Richter Jürgen Beneking verlesen wurde, hatte „Bongo“ ins Feld geführt, niemand würde einen solchen Versuch lange überleben, gleiches gelte auch für die angebliche Beteiligung seiner Schwester. Die war in Aachen überwacht worden. Die regelmäßigen Raten, die den Ermittlern aufgestoßen waren, sollen von dem „Bongo“-Freund und einstigen Chefs von Horst R., dem verurteilten Lotto-Betrüger und FKK-Club-Investor, stammen. Dieser sei, so die hessischen Ermittler, nach einer Ausweisung aus Österreich spurlos verschwunden. Der Prozess wird am 23. Oktober fortgesetzt.

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Wirren-im-Hells-Angels-Prozess;art675,1090604

Mitglied der Reutlinger Hells Angels verurteilt

REUTLINGEN. Ein Grund für den Kopfstoß des »Höllen-Engels« in der Diskothek B 27 am 2. März dieses Jahres? »Es gab keinen«, sagte Oberstaatsanwalt Bernhard Henn am gestrigen Dienstag im Amtsgericht Reutlingen. Einmal mehr habe eines der Hells-Angels-Mitglieder mit seinem Verhalten ausdrücken wollen: »Hier sind wir, um zu bestimmen, was uns in einem bestimmten Moment gefällt und was nicht«, so Henn. Was dem nun Angeklagten nicht passte? Ein Blick vielleicht, nicht viel mehr. »Was gucksch du«, hatte der Täter zu einem Disco-Besucher gesagt – und ohne eine Antwort abzuwarten ihm sogleich einen Kopfstoß verpasst.

Nachts um 2 Uhr während einer Geburtstagsfeier der Frau des inhaftierten Reutlinger Rocker-Präsidenten Ingo Dura ereignete sich der Vorfall. Im Gegensatz zu fast allen Zeugen konnten sich das Opfer und dessen Freundin noch sehr gut daran erinnern. Und sie tippten am darauffolgenden Sonntag auch zielsicher auf den Täter, als ihnen bei der Polizei eine »Wahl-Lichtbildvorlage« mit 246 Personen vorgelegt wurde.

Nicht regelkonform

Der Rechtsanwalt des Angeklagten, Günter Urbanczyk, bemängelte aber genau das – was auch Richter Eberhard Hausch, Vorsitzender des Schöffengerichts, einsah: Die Vorlage der Fotos sei nicht regelkonform gelaufen, es hätten mehr ähnlich aussehende Männer im Alter des Täters gezeigt werden müssen, bemängelte Hausch. Aber: »Wir brauchen die Wahl-Lichtbilder gar nicht«, so das Fazit. Denn der Oberstaatsanwalt hatte darauf verwiesen, dass zwei Personen unabhängig voneinander den Täter wiedererkannten – und das, so Henn, »hätte schon zur Überführung ausgereicht«. Dass der Angeklagte mit dem Pferdeschwanz und der Hells-Angels-Kutte an dem Abend auch in der Disco war, reichte dem Schöffengericht aus, um die Tat dem Rocker zuzuschreiben. »Es gibt ja sonst keine Member mit Pferdeschwanz«, sagte Eberhard Hausch.

Hinzu kam, dass sich die Zeugen aus direktem oder indirektem Umfeld der Hells Angels partout nicht daran erinnern konnten, wer an diesem Abend so alles aus ihren Reihen mitgefeiert hatte. Und dass eine Videoaufzeichnung vom Eingang des B 27 ausgerechnet zu dem Zeitpunkt versagte, als die Rocker kamen und gingen, kommentierte der Richter mit der Frage: »Für wie dumm wollen uns die Leute eigentlich verkaufen?«

Einschlägig vorbestraft

»Ohne jegliche Rücksicht auf andere wollen die Angels Chef im Ring sein – die gehören weg und nicht auf die Straße«, begründete Oberstaatsanwalt Bernhard Henn unter anderem seine Forderung, den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zwei Jahre hinter Gitter zu schicken. Bewährung könne es nicht geben, weil der 48-Jährige mehrfach einschlägig vorbestraft sei. »Und weil er Bewährungsbrecher ist, nichts gelernt hat, sich nicht aus dem Rockerumfeld gelöst oder ein Anti-Gewalttraining begonnen hat«, ergänzte Eberhard Hausch in seiner Urteilsbegründung. Das Schöffengericht stimmte zwar der Haftforderung von Henn zu – nicht aber der Knastdauer: Ein Jahr sei ausreichend, meinte Hausch.

Im Übrigen habe diese Einzeltat verhältnismäßig wenig mit den Hells Angels zu tun. »Wir wollen ihnen nicht zu viel Ehre zukommen lassen.« Dass der Rockerclub Angst und Schrecken verbreite, gehöre doch eher der Vergangenheit an. »Die Herren werden auch älter und vielleicht weiser«, so der Richter. Ein Ruf wie Donnerhall? Das, meinte Eberhard Hausch, sei ja wohl passé.

http://gea.de/region+reutlingen/reutlingen/+fuer+wie+dumm+wollen+die+uns+verkaufen+.3938066.htm